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Zum Tag des Kusses„Schmollmund statt Schlauchbootlippen“

Frischer Atem und gesunde Zähne machen aus einem Kuss noch lange kein unvergessliches Ereignis. Trotzdem hat eine britische Krankenversicherung die Mundhygiene vor einiger Zeit zum Anlass genommen, den 6. Juli zum „Internationalen Tag des Kusses“ zu erklären. Die in London lebende Lana Citron, Autorin eines Buchs über den Kuss, erzählt im Interview, worauf es beim Küssen wirklich ankommt, warum wir unsere Lippen überhaupt aufeinanderpressen und welche Küsse unvergesslich bleiben.

Nach dem royalen Bussi von Kate und William im April fiebert die Welt dem nächsten Lippenbekenntnis fürstlichen Ranges entgegen. Was macht den Kuss perfekt?

Entscheidend ist nicht das Auge des Betrachters. Ein perfekter Kuss berauscht in erster Linie die Küssenden und drückt deren tiefe Zuneigung aus – vorausgesetzt, es handelt sich um den richtigen Partner. Die Lippen sollten bereitwillig und aus ehrlicher Absicht aufeinander treffen. Wichtig sind natürlich auch frischer Atem und saubere Zähne.

Die Übung macht also noch lange keinen Meister?

Auch fürs Küssen gilt: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wer die Technik beherrscht, küsst sensibler und kennt die Fettnäpfchen.

Was kann beim Küssen schon schief gehen?

Es ist zwar kein Drama, wenn die Nasen zusammenstoßen, aber so etwas lässt sich mit ein wenig Praxis vermeiden. Schmerzvoller ist es, wenn sich bei Teenagern die Zahnspangen ineinander verhaken oder die Zunge daran entlangfährt und sich schneidet. Ein beliebtes Experimentierfeld für Heranwachsende sind Kussspiele wie „Flaschendrehen“.

Wird der Kuss zwischen Liebenden überbewertet?

Im Gegenteil, denn er sorgt nicht nur für Intimität, sondern er erfüllt auch einen existentiellen, im Grunde sogar evolutionären Zweck. Frauen prüfen unbewusst über den Speichel ihres Kusspartners, ob sich die Erbanlagen des Mannes eignen, um – in Kombination mit der eigenen DNA – gesunden Nachwuchs zu zeugen. Küssende Männer handeln ebenfalls instinktiv, verfolgen aber ein anderes Ziel. Sie loten aus, wie wahrscheinlich es ist, dass es mit der Kusspartnerin zum Geschlechtsakt kommt.

Wie überleben dann Völker, die sich nicht küssen?

Inuit, mongolische Völker, die chinesischen Yakuts oder auch die Lappen in Nordfinnland praktizieren einen „olfaktorischen Kuss“. Sie reiben die Nasen aneinander und schnuppern an den Wangen des anderen. Die wichtigsten Informationen über Erbgut und sexuelle Lust des Partners erhalten diese Völker instinktiv über den Duft. In unserer westlichen Vorstellung entscheidet der Geruch des Gegenüber zumindest über die Qualität eines Kusses.

Laut einer Umfrage des Online-Magazins getlippy.com sind Johnny Depps Lippen am küssenswertesten. Mick Jagger dagegen belegt den letzten Platz – sind volle Lippen beim Küssen out?

Ich bezweifle, dass es sich mit einer idealen Lippenform besser küssen lässt, obwohl die Lippen mit ihren zahlreichen Nerven zu den empfindlichsten Bereichen des Körpers gehören. Den befragten Frauen geht es vor allem um optische Kriterien. Einen Mann mit Schlauchbootlippen empfinden sie als unattraktiv. Übrigens gaben dieselben Frauen an, dass sie sich zum Küssen den Schmollmund von Angelina Jolie wünschen würden.

Ob in Geschichte, Politik, Literatur oder im Film: Küsse besitzen eine ungeheure Symbolkraft. Welche sind unvergesslich?

Unter den Filmküssen ist es wohl der Kuss zwischen Rhett und Scarlett aus „Vom Winde verweht“, obwohl dieser Kuss erzwungen ist und Scarlett sich zunächst dagegen wehrt. Weltweit geht eine große Wirkung von politischen Küssen aus, wie dem „sozialistischen Bruderkuss“ zwischen Honecker und Breschnew. Als besonders niederträchtig wird seit mehr als 2000 Jahren der Judaskuss empfunden. Denn Judas verrät Jesus, indem er ihn über einen Kuss identifiziert. Damit kehrt er die Symbolik des Kusses ins Gegenteil.

Mit Lana Citron sprach Clara Görtz.

Bibliographische Angaben zum Buch:

Lana Citron: „KussKuss. Wirklich alles über den Kuss.“ Sanssouci Verlag 2011, 246 Seiten, 12,90 Euro.

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